37. Privatzahnärztetag: 09. - 10. Januar 2015

Düsseldorf - Steigenberger Parkhotel - Heinrich-Heine-Saal

Besinnung auf das Wesentliche - Gesundheitssystem der Zukunft - Generation Y

Nach der Begrüßung durch Dr. Wilfried Beckmann, Präsident der PZVD, eröffnete Herr Professor Dr. Meinhard Miegel, Vorsitzender des "Denkwerk Zukunft", das Programm mit einem beeindruckenden Vortrag über den heutzutage überbordenden Wahn zum Mehr. Nachdrücklich und umfassend stellte er dar, dass die entwickelten Völker weit über ihre Verhältnisse leben und forderte dazu auf, der Hybris abzuschwören und sich im Sinne der jungen und nachfolgenden Generationen verantwortungsvoll zu zeigen. Sein Aufruf zur Besinnung auf das Notwendige und Nachhaltige fand regen Beifall.

Frau Ingrid Fischbach, MdB und parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, führte eine überaus offene und rege Diskussion mit den anwesenden Privatzahnärzten und Privatärzten über die Grundsätze des Gesundheitswesens in Deutschland. Sie zeigte ein für Politiker ungewohntes Interesse an den Wortmeldungen und lud zum gemeinsamen Gespräch in das Bundesministerium für Gesundheit ein.

(Bild links: Frau MdB Ingrid Fischbach im Dialog mit Dr. Wilfried Beckmann, Präsident der PZVD)

Nach der Mittagspause stellte Frau Dr. Marion Marschall, Journalistin und Chefredakteurin der "Die Zahnarzt Woche DZW", in ihrem Vortrag "work-life-balance und Generation Y" Ergebnisse der Forschung zum Thema Generation Y vor und erläuterte die Ursachen und Folgen für das Gesundheitswesen.

In ihrer runden und umfassenden Darstellung schilderte sie lebendig die anhand von Interviews und Fachtagungen ermittelten Motive, die die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte eben gerade nicht in die Praxisverantwortung treiben. Die anschließende Diskussion zwischen anwesenden jungen Kollegen im Studium oder in der Einstiegsphase im Beruf und den anwesenden berufserfahrenen Mitgliedern der PZVD und DGÄZ wurde hierdurch sehr gefördert.

 "Man muss doch erst einmal begreifen, wie die jungen Kolleginnen und Kollegen überhaupt ticken, damit man fördernd und produktiv miteinander umgehen und voneinander lernen kann," äußerte sich hierzu ein Tagungsteilnehmer.

 

Dr. med. Norbert Franz, Vorstandsvorsitzender des Privatärztlichen Bundesverbands, mit dem die PZVD eine alte Partnerschaft neu aufleben lässt, stellte die Arbeit des PBV zur Bündelung der Kräfte vieler medizinischer Vereinigungen vor, zu der er die PZVD ebenfalls herzlich einlud.

Die Darstellung der ethischen Grundsätze, deren Verwirklichung das derzeitige Gesundheitssystem teilweise unfreiwillig erschwert, zeigte schnell, dass bei PBV und PZVD eine überaus breite gemeinsame Basis im Bemühen um die beste Behandlung für alle Bevölkerungsgruppen des Landes besteht.

Die Vorstände beider Vereinigungen verabredeten kurzfristig weitere Gespräche und Gegenbesuche bei den Veranstaltungen der PBV und ihrer weiteren Partner und begannen schon während der Tagung mit weiter reichenden Gesprächen.

Dr. Andreas Janke, Zahnarzt, Vorstandsteam ZAeG, zeigte in seinem Vortrag "Besinnung auf das Wesentliche - tu, was Du am besten kannst!" auf, welche Möglichkeiten die ZAeG als genossenschaftliche Vereinigung von Zahnärzten heute schon bieten kann, um die Verwaltungsarbeit in der Praxis zu minimieren und mit genossenschaftlicher Unterstützung ein wortgewaltigerer Gesprächspartner der Privatversicherungen unserer Patienten zu werden.

Er stellte auch zukünftige Projekte zur Diskussion vor und warb für einen offenen, freundlichen, aber bestimmten Umgang mit Kostenträgern.

RA Frank Heckenbücker,  Justitiar der PZVD, referierte zum Thema "Bereit für die Patienten der Zukunft?!"

Er führte beeindruckend aus, welche Konsequenzen die steigende Lebenserwartung und die Erfolge im Zahnerhalt für das Gesundheitssystem und die Anforderungen an das Risikomanagement der Zahnarztpraxen und Krankenhäuser haben und dass das heutige Gesundheitssystem weder finanziell noch juristisch auf diese Dinge vorbereitet sei, so würde es das Niederlassungsrecht heute erheblich erschweren, eine zahnärztliche Behandlung von multimorbiden Patienten unter stationären Bedingungen flächendeckend für unser Land zu realisieren.

Für die freie Praxis führte er dann zum Thema Vertragsgestaltung aus, welche Fallstricke drohen, wenn Praxisgemeinschaften, Gemeinschaftspraxen oder Versorgungszentren, Partnerschaften, Juniorpartnerschaften und weitere Beschäftigungsformen vereinbart werden ohne mit professioneller Hilfe das Augenmerk auf die Aspekte aus Steuergesetzgebung und Heilberufsvorschriften zu haben. Gerade im Hinblick auf die von der Generation Y häufig gewünschten Rahmenbedingungen mahnte er hier eindrücklich und anhand praktischer Beispiele zu größter Umsicht. 

Nach einem entspannten Abend mit intensiven Gesprächen bei hervorragendem Essen und musikalischer Untermalung durch eine lokale Jazzband wurde das Tagungsprogramm am Samstag fortgesetzt.

PD Dr. Volker Busch, Neurologe und Psychiater, zog schnell die etwas morgenmüde Versammlung mit seinem lebendigen und interaktiven Vortrag "Kommunikation mit Herz und Verstand" in seinen Bann.

Mit humorvollen und motivierenden Beispielen aus dem täglichen Leben und fundierten Erkenntnissen aus Forschung und Lehre schaffte er es, bleibende Eindrücke und Erkenntnisse mitzugeben, die sich im Praxisalltag mühelos umsetzen lassen und zu einer besseren Medizin verhelfen.

 

Herr Professor em. Dr. Hans-Jürgen Papier, Richter und langjähriger Präsident am Bundesverfassungsgericht, referierte hiernach zum Thema „Der Zahnarzt zwischen Freiberuflichkeit und Regulierung“. 

Nach einem weit gefassten Streifzug durch die den Zahnarzt betreffende Gesetzgebung arbeitete er auch für Nichtjuristen verständlich heraus, dass z.B. das Begehren der Bundespolitik nach strafrechtlichen Sanktionen gegen Heilberufler unter anderem daher rühre, dass die Bundesregierung wegen der Verantwortung der Bundesländer für einen Großteil der heilberufsspezifischen Gesetze sich relativ machtlos wähne. Sie meine daher wohl, nur regulierend Einfluss auf die sich im Gesundheitssystem zuspitzende Versorgungslage zu haben, indem sie die ihr, der Bundesregierung, unterstehende Strafgesetzbarkeit auf diese Berufsstände anwende. Prof. Dr. Papier sah diese Vorgehensweise der Regierung deutlich kritisch und auch die anwesenden Verbandsvertreter stellten noch einmal heraus, dass derartig tiefgreifende Einschnitte für keinen anderen Beruf gelten.

Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, ehemaliger Präsident der Bundeszahnärztekammer, bedankte sich ausdrücklich dafür, dass Herr Papier als Jurist mit tiefstgreifender Kenntnis der deutschen Rechtsstruktur sich zudem überaus kritisch zu den Grundzügen des deutschen Gesundheitssystems, insbesondere der Machtbefugnisse der Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen im Gemeinsamen Bundesausschuss äußerte.

Prof. Dr. Christian Schmidt, Chirurg, Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Rostock, griff sodann das Thema "Generation Y" erneut auf und stellte in einem überaus lebhaften und aktiven Vortrag vor, welchen strukturellen Anforderungen sich das Gesundheitswesen gegenüber sieht, da eine ganze Generation sich durch die ihnen gebotenen Rahmenbedingungen nurmehr zu Teilzeitarbeit und überwiegend angestellte Beschäftigung bereit zeigt.

In der Diksussion mit anwesenden Jungen und Alten betonte er, dass die Berufserfahrenen sich aufgefordert sehen müssen, die nachwachsenden Generationen zu verstehen und von ihnen und für sie zu lernen, die Arbeitswelt neu zu gestalten.

 

In seinem Schlusswort bedankte sich Dr. Wilfried Beckmann, Präsident der PZVD, für die sehr dialogfreudige und informative Tagung und die sich aus ihr ergebenden neuen Perspektiven.

Der Vorstand der PZVD wird auch im Jahr 2015 Flagge zeigen und sich eröffnende Möglichkeiten ergreifen, um die Medizin in Deutschland wieder besser zu machen.