Abweichende Vereinbarung nach § 2 GOZ

Empfehlung zur Anhebung "unterirdischer" Honorare

Die abweichende Vereinbarung ist seit 1987 in der GOZ enthalten. Juristisch bedeutet sie den Ausweg aus einer Preisvorschrift durch den Staat. Hier können der Zahnarzt oder die Zahnärztin mit ihren Patienten recht freie Preise vereinbaren, ganz so, wie es auch jeder andere Dienstleister kann.

So jedenfalls war die abweichende Vereinbarung mal gedacht. Etwas dumm daran ist jedoch, dass der abweichenden Vereinbarung in der GOZ eben doch eine feste Preisvorgabe zugrunde liegt: Über die Bepunktung von Leistungen, die gepaart ist mit einem seit 1987 eingefrorenen Punktwert.

Zwar können wir immer noch frei vereinbaren, wer jedoch das 10 bis 20-fache eines irgendwie üblichen Preises nehmen möchte, wird wohl hier und da mit dem Wuchervorwurf konfrontiert werden.

Privathonorare wie 1965

Es ist weithin nicht bekannt, dass die meisten heute in der GOZ geltenden Honorare in gleicher Höhe bereits seit 1965 gelten. Nur wenige Honorare sind 2012 angehoben worden, 8 von 350 Honoraren deutlich. Aber nicht jeder Patient braucht Teleskopkronen!

Mit mehr als 50 Jahre alten Preisen kann man aber nicht mehr kostendeckend arbeiten.

Deswegen sind Preisanpassungen unvermeidlich. Leider lässt der Gesetzgeber die Privatversicherten hier im Stich: während die Praxen die Honorare anheben müssen, um keine roten Zahlen zu schreiben und viele Privatversicherer alle paar Jahre die Versicherungsprämien erhöhen, weigern sich einige dieser Unternehmen, so viel zu erstatten, wie z.B. die AOK bezahlt.

3 Varianten einer abweichenden Vereinbarung zum Download

Die folgenden 3 Varianten stellen unterschiedliche Konzepte dar. Sie alle beschränken sich auf Leistungen, die im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) besser bezahlt werden als im Standardfaktor (2,3) der GOZ vorgesehen ist, daher sind die Leistungslisten gleich, lediglich die Faktoren unterscheiden sich:

  • Variante 1: die GOZ-Honorare werden über die Faktoränderung auf das Niveau der GKV-Honorare (Niedersachsen) gebracht.
    Dagegen sollte kein Privatversicherter etwas haben, dass so viel verlangt wird, wie die AOK z.B. einfach so bezahlt.
    Da viele andere GOZ-Honorare für die es keine Leistung im BEMA der GKV gibt, kann diese Liste nicht ausgleichen, dass viele weitere Privatleistungen rote Zahlen schreiben!
    Außerdem wird durch eine reine Anpassung auf "Kassenniveau" nicht ermöglicht, dass Zeit für schwierigere Fälle bleibt.
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  • Variante 2: Hier werden die Honorare auf das Anderthalbfache des GKV-Niveaus gebracht.
    In der privaten Gebührenordnung wurde 1987 festgelegt, dass Zahnärzte für längerdauernde oder schwierigere Fälle das Honorar um ca. 50% erhöhen können (Faktorsteigerung von 2,3 auf 3,5 -> + 52%). Dieses Prinzip setzt diese Variante um.
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  • Variante 3: Wie leicht dauert etwas einfach mal doppelt so lange?
    Die bisherige GOZ benutzt Faktorbereiche, die sich unserem natürlichen Gefühl entziehen: 2,3 - 3,5...
    Der PZVD e.V. unterstützt den Entwurf einer neuen einheitlichen Gebührenordnung eGOZ, der die Faktoren 0,5 - 1 - 2 vorschlägt.
    Diese Variante 3 stellt eine Vereinbarung auf doppeltem Niveau dar. Eine Maßvolle Abrechnung wird immer wieder von dem vereinbarten Höchstsatz nach unten abweichen.
    Es muss jedoch für die Praxis auch möglich sein, mal das doppelte Kassenhonorar zu erhalten, wenn es doppelt so lange gedauert hat wie im Durchschnitt.
    Hier können Sie Variante 3 als pdf herunterladen
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Der BEMA "hilft" uns!

Doch seit einigen Jahren kommt uns hier der BEMA, die Festpreistabelle der Sozialzahnmedizin peinlicherweise zu Hilfe.
Dort werden die den Zahnarztpraxen zugebilligten Honorare für etwa 170 Leistungen im GKV-System abgebildet und - ebenso über Punkte und zugeordnete Punktwerte - preislich festgelegt. Im Kassensystem erfährt die Honorierung jedoch eine jährliche Anpassung, der Punktwert wird jeweils angehoben!

Das hat dazu geführt, dass trotz subinflationärer Erhöhung der Kassenhonorare diese die GOZ-Honorare überholen.
Seit Jahren schon werden einzelne Leistungen also von der AOK besser bezahlt als die GOZ es bei Standardfaktor 2,3.

Im Jahr 2018 war "Bergfest", dann nämlich wurde die Hälfte der Leistungen des BEMA besser bezahlt, als die GOZ es bei Faktor 2,3 bewirkt!

Brauchen wir nun mehr als Faktor 8, um erst einmal die Honorarhöhe der Sozialversicherung zu erreichen, so kann Faktor 10 oder Faktor 15 schlecht als "Wucher" bezeichnet werden, es ist doch in Wahrheit für diese Leistungen nur kurz über einer "ausreichenden" Medizin angesiedelt.

Tabelle der Bundeszahnärztekammer

Die Bundeszahnärztekammer hat dazu eine kleine Liste herausgegeben und empfiehlt eine handschriftlich auszufüllende Tabelle mit drei Zeilen als Vordruck für eine abweichende Vereinbarung.

Dieses Formular enthält jedoch zwei Felder, die nach unserem Dafürhalten in einer abweichenden Vereinbarung nichts zu suchen haben: die Zahnangabe und ein Summenfeld.

Da § 2 GOZ hier sehr deutlich aufzählt, was enthalten sein darf, sollte man jedoch tatsächlich auf jedes weitere Element verzichten, was als weitere Erklärung aufgefasst werden könnte oder was die Verhandlung auf Augenhöhe nicht widerspiegelt. Daher vermeide man möglichst auch abweichende Vereinbarungen mit dem Briefkopf der Praxis.

Das Vorgehen der Bundeszahnärztekammer mit Platz für 3 Leistungspositionen geht wohl zurück auf den uralten Grundgedanken, dass man seltener mal eine oder zwei Leistungen herausgreifen und im Honorar erhöhen möchte, um mehr Zeit für diese Arbeiten zu haben.
Mit den heute jedoch teilweise unterirdischen Honorarhöhen der GOZ brauchen wir erheblich mehr Zeilen und wir brauchen einen Vordruck, den wir nicht erst mit der Hand ausfüllen müssen.

Außerdem sollten wir nicht für eine Leistung oder für einen Zahn oder einen Tag vereinbaren sondern wir sollten grundsätzlich andere, realistische Preisschilder an unsere Leistungen hängen!

weiterführende Informationen

Beachten sie auch die Informationsangebote unseres Partners www.zahnarztrechnung.info !