Privatzahnärztetag 2017

Der Privatzahnärztetag 2017 war geprägt von Gedankenanstößen und Begegnung.

18 Teilnehmer und Teilnehmerinnen vom JUNGEN FORUM brachten frischen Wind in die Veranstaltung und bewiesen ihre Sehnsucht nach Behandlungsfreiheit in der Medizin.

In einer herzlichen Kollegialität konnten sie alle Fragen stellen und nahmen sicher so manchen Augenöffner mit in die neue Woche.

Auch die PZVD ist froh über neue Anregungen und freut sich darauf, das Wissen zu teilen und Zahnmedizin gemeinsam in Freiheit auf hohem qualitativem Level zu leben.

Wir danken!

Wir danken den Teilnehmern am JUNGEN FORUM für ihre spritzige und fröhliche Teilnahme! Den Sponsoren des Jungen Forum, die eine kostenfreie Teilnahme ermöglichten:

Apotheker- und Ärztebank, Mannheim

www.zahnarztrechnung.info

ZAAG

 Dem Hotel Europäischer Hof in Heidelberg danken wir für eine exzellente Betreuung und Begleitung unserer Tagung!

Ein weiterer Dank gilt selbstverständlich unseren engagierten charismatischen Referenten: danke, dass Sie Ihr Wissen teilen und uns neu motivieren!

Get together

In der angenehmen Atmosphäre des Hotel Europäischer Hof sahen sich die ersten Teilnehmer zu einem gemütlichen Beisammensein am Vorabend des ersten Kongresstages im Kaminzimmer wieder. In gewohnt persönlicher Art und Weise wurde Privates und Berufliches ausgetauscht, wurden erste Tagungsthemen angesprochen.

Freitag

Philosophie – Factoring – Praxisformen

Als Vorstandsmitglied moderierte Dr. Georg Kolle den ersten Tag. In seinem ersten Vortrag schilderte er den derzeitigen Stand der GOÄ-Novellierung. Eine neue GOÄ mit "robustem Einfachsatz" für mehr als 90% der Leistungen sei eine Steilvorlage für eine Einheitsgebührenordnung, wie sie bereits in der GKV-Medizin existiert. Ein individuelle Versorgung auch schwieriger Fälle sei jedoch in der Praxis betriebswirtschaftlich damit nicht mehr möglich. Auch schwer Erkrankte müssen aber flächendeckend behandelbar bleiben, mit einer Einheitsgebührenordnung würde dies wirtschaftlich nicht mehr möglich sein.

Die Forderung an alle Zahnärzte lautete: wehren Sie sich gegen diese neue GOÄ, die auch eine freie und individuelle Zahnmedizin bedroht, sprechen Sie Ärzte auch in Ihrer Umgebung an und motivieren Sie sie zur Mitgestaltung. Verantwortliche Gesundheitspolitik erhält in Deutschland weiterhin einen Standort für eine Medizin, in der Individualität und hervorragende Leistungen zu Hause sein können.

Prof. Dr. Claus Dierksmeier, Professor der Philosophie, Leiter des Weltethos-Instituts der Uni Tübingen sprach dann über „qualitative Freiheit mit Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung“. An vielen sehr gut allgemein verständlichen Beispielen begeisterte er die Zuhörer für sein in den letzten Jahren publiziertes Modell der qualitativen Freiheit. Im Gegensatz zur heute vielerorts gelebten rücksichtslosen Freizügigkeit auf Kosten der Anderen wird diese Freiheit gerade in der Freiheit des Anderen voll verwirklicht.

Hierbei ging er deutlich über die Deutung von Bundespräsident Gauck hinaus, Freiheit heiße auch Freiheit zur Verantwortung und wies nach, dass das Ausleben von Verantwortung erst zum Genuss der eigenen Freiheit führt, da sich aus dem bewussten Handeln und dem Einsatz für etwas Gutes die eigene Entscheidung(-sfreiheit) erst verwirklicht.

In einer ausgedehnten Fragerunde zeigte sich Prof. Dierksmeier als tiefgründiger und zugleich gewandter und weltoffener Philosoph, der seine Zuhörer versteht und mitzunehmen weiß.

Dr. Susanne Woitzik, Betriebswirtin bei der ZAeG, gab im Hauptprogramm und auch im Jungen Forum am Samstag strategisch wichtige Tipps für den betriebswirtschaftlichen Rahmen und die Prozesssteuerung der Abrechnung. Sie zeigte mögliche Stolperfallen auf und schilderte, wie wichtig es ist Kompetenz in Abrechnungsfragen für das Personal der Praxis bereit zu halten, hierfür hat die ZA ein Online-Abrechnungslexikon entwickelt, in dem das Personal nachschlagen kann. Das Ausgliedern von Teilen des Abrechnungs- und Mahnwesens als Arbeitsentlastung für das Praxisteam verhelfe zudem der Praxis dazu, sich auf die eigentliche zahnmedizinische Tätigkeit zu konzentrieren.

Frank Heckenbücker, Fachanwalt für Medizinrecht und Justitiar u.a. der PZVD, brachte dem Tagungspublikum auf den neusten Stand über Praxisformen, wie Praxisgemeinschaft, Gemeinschaftspraxis und ganz besonders Medizinische Versorgungszentren (MVZ), die zunehmend von Zahnärzten und Zahnärztinnen als Geschäftsmodell gewählt werden, jedoch rechtlich keineswegs – wie von vielen Gründern erhofft – weitergehend die persönliche Haftung begrenzen, im Gegenteil sei es bei allen Vertragsgestaltungen überaus wichtig, das Thema Haftung der Gesellschafter intensiv zu besprechen und zu regeln.

Unerlässlich sei es auch, das Thema der Trennung einer beruflichen Gemeinschaft bereits bei deren Gründung zu regeln. Viele anschließende Fragen aus dem Publikum zeigten, dass diese Thematik tatsächlich für sehr viele gerade von großem Interesse ist.

Abgeschlossen wurde das Freitagsprogramm mit der Mitgliederversammung.

Rahmenprogramm

Ein Abend auf dem Schloss Heidelberg

 Schloss Heidelberg © Heidelberg-Marketing GmbH

Zum Abendessen fand sich das Plenum fast vollständig im Heidelberger Schloss ein. Nach einem Sektempfang stand zunächst eine Führung durch das Apothekermuseum auf dem Programm, die an vielen Ausstellungsstücken die Geschichte und Entwicklung des Apothekerwesens in Deutschland anschaulich machte.

Bei einem mehrgängigen Menü in historischen Räumen des Schlosses mit lokalen Spezialitäten und Weinen wurden die Themen des Tages ebenso in lockerer Runde besprochen wie Privates und das Zeitgeschehen. Mit Bilderbuch-Schneegestöber ging es dann zurück in den Europäischen Hof.

Samstag

neues Format: JUNGES FORUM – Ziele fürs Leben...

Zum zweiten Kongresstag hatte die PZVD junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, Studentinnen und Studenten eingeladen. 18 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt, teilweise hatten sie schon am Freitag am Hauptplenum teilgenommen.

Als Vorstandsmitglied führte Dr. Georg Kolle in das JUNGE FORUM ein, das in einem zweiten Vortragssaal begann. Er lud dazu ein, sich von Vorurteilen befreit an die „alten Hasen“ der PZVD zu wenden, Fragen zu stellen, sich in den Kaffeepausen und zum Essen mit den Teilnehmern der Haupttagung zu mischen und von einander zu lernen – hiervon wurde in der Folge zu unserer großen Freude von allen Gebrauch gemacht.Diplom-Kaufmann,

Henryk Lüderitz, Managementtrainer & Coach, gab im Jungen Forum den Haupt- und Impulsvortrag: "Wer bin ich? Was kann ich? Wo braucht man mich? Wo will ich hin?"

Als ehemaliger Mitarbeiter einer Mobilfunkfirma war ihm in seiner Laufbahn irgendwann bewusst geworden, dass er einer Tätigkeit nachging, die ihn nicht erfüllte.

Obwohl sich das Publikum überwiegend unbekannt war und zunächst etwas schüchtern schien, gelang es ihm doch schnell, tatsächlich alle aus der Reserve zu locken und ans Eingemachte zu führen. Sowohl in intensiven Überlegungen zum eigenen bisherigen und zukünftigen Werdegang als auch in einer Gruppenaktion führte er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Kernfragen ihrer beruflichen Existenz und regte fundamentales Nachdenken an.

Volkswirtschaft und Konjunktur – politischer Ausblick

Zur gleichen Zeit arbeitete im von Vorstand Dr. Marcus Flach moderierten Hauptplenum Prof. Dr. Lars P. Feld, Professor für Volkswirtschaft und Spezialist in gesamtwirtschaftlichen Entwicklungsfragen zunächst heraus, wie sich die Konjunktur in Deutschland und Europa in den letzten Jahren entwickelt hat. Hohe Staatsschulden, kein selbsttragendes Wachstum würden viele europäische Länder lähmen. Hinzu trete politische Verunsicherung in den USA und Europa, während auch China wirtschaftlich zu schwächeln beginne. Er wies auf Folgen des demographischen Wandels und dringend notwendige Reformierung des Rentensystems.

Deutschland sei jedoch wegen seiner konjukturellen Stabilität derzeit gut aufgestellt für durchgreifende Reformen der Rente und des Gesundheitssystems. Hier bei solle der Gesetzgeber jedoch statt auf Gleichmacherei auf Chancengleichheit setzen.

Dr. Heiner Garg, Landesvorsitzender der FDP in Schleswig-Holstein, referierte als Wirtschaftswissenschaftler Kenner der Gesundheitsökonomie und Hauptprogramm zum Thema der Sicherstellung der zahnmedizinischen Versorgung.

Er plädierte dafür, Vielfalt statt Einfalt zu ermöglichen, Selbstverwaltung statt Fremdlenkung. Er zeichnete ein Bild der politischen Tendenzen und plädierte klar für die Beibehaltung eines dualen und individuellen Systems der Gesundheitsfürsorge in Deutschland.

Treffen der Generationen – Betriebswirtschaft – Knochenregeneration – Analogabrechnung

Nach dem gemeinsamen Mittagessen war es dann auch im Vortragssaal so weit, das sich die Generationen mischten. Schon in den Pausen waren die Jungen und die Alten dem Aufruf des PZVD – Vorstand gefolgt, sich aktiv zu mischen und Kontakte zu knüpfen. Unter den „alten Hasen“ der PZVD fanden sich spontan viele Kollegen, die ihre Praxen für Hospitationen öffneten und die Jungen einluden, sich gelebte private Medizin vor Ort anzuschauen.

Im Programm stellte Diana Brendel, Diplom - Kauffrau der Fibu-Doc GmbH, Software - Werkzeuge vor, die eine präzise, unternehmerische Analyse und konsequentes Handeln ermöglicht.

Sie führte zunächst in Grundzüge der Buchführung ein und stellte dann vor, dass durch sinnvolle Aufgliederung einzelner Arbeitsbereiche der Praxis ein tiefer Einblick in die Effektivität des jeweiligen Bereichs möglich sei. An einigen Beispielen aus verschiedenen Betrieben zeigte sie den Sinn dieser Betrachtung auf und wies nach, dass so wirtschaftliche und unwirtschaftliche Bereiche unterschieden werden können und zielgerichtete Verbesserungen möglich werden.

Mit den von Fibu-Doc bereit gestellten Werkzeugen stehen der Praxisleitung jeweils alle betriebswirtschaftlichen Rahmendaten aktuell und ohne fremde Hilfe zur Verfügung und eine Überprüfung wird jederzeit möglich. Die Umsatzsteuervoranmeldung kann direkt durch die Praxis erfolgen. Somit spart die Praxis nicht nur Kosten, sie ist auch wieder mehr Herr ihrer Sinne.

Dr. Stefan Neumeyer,

Mitglied der PZVD und Gutachter verschiedener Fachorganisationen referiert danach über das Tissue Master Concept. Er schilderte die Entwicklung seines gelenkten Knochenwachstums von der prolongierten Extraktion bis zur heutigen Auflage von intakten Wurzelscheiben zur gesteuerten Knochenregeneration ohne Fremdmaterialien.

Zahlreiche Fallbeispiele belegten seine Forschungsergebnisse und zeigten auf, wie ohne Verwendung kostenintensiver Ersatzmaterialien eine verlässliche Weich- und Hartgewebevermehrung möglich ist.

Abschließend erläuterte Dr. Georg Kolle

 als Vorstand der PZVD und Autor von www.zahnarztrechnung.info, welche oft modernen Leistungen analog abzurechnen sind und wie ein abweichende Vereinbarung die Luft zum Behandeln schafft, die man braucht. Patienten mit einzubeziehen und sie ihre Briefe an die Versicherung kompetent selbst beantworten zu lassen, sei ein wichtiger Schlüssel zur Durchsetzung neuer Verfahren in der Praxis. Wenn man sich an wenige Regeln halte, sei man schnell in der Lage, die Top-Zahnmedizin anzubieten und auszuführen, die man sich für seine Patienten wünscht!

Privatabrechnung dürfe nicht schwierig sein, das müsse auch der Patient verstehen können. Es sei Zeit, viele neue Leistungen aufzunehmen und moderne Zahnmedizin ohne Scheuklappen zu betreiben.



Der Privatzahnärztetag 2017 war geprägt von Gedankenanstößen und Begegnung. Die brennenden Fragen der nachwachsenden Generationen trafen auf die Berufserfahrung der PZVD-Mitglieder, die sich überaus offen zeigten, die jungen Kolleginnen und Kollegen auf ihrem Weg in eine freie Selbständigkeit mit ihrem Wissen zu unterstützen.

Wir dürfen gespannt sein, welche Entwicklungen sich aus diesem Privatzahnärztetag ergeben.